In der zweiten Sitzung der Interfraktionellen Arbeitsgruppe „Traditionelle Minderheiten, nationale Gemeinschaften und Landessprachen“ des Europaparlaments (Intergruppe) konnten Befürworter des Valencianischen ihre Situation schildern.
Valencianisch (Valencià) ist in der Autonomen Gemeinschaft Valencia die amtlich anerkannte und normierte Varietät der katalanischen Sprache. Manche Bürger hören das allerdings nicht gerne, vor allem jene, die antikatalanisch eingestellt sind; sie betrachten die Sprache als eine eigenständige. Die Zahl der Valencianisch-Sprecher hat im 20. Jahrhundert durch das Verbot der Sprache während des Franco-Regimes und durch Zuwanderung stark abgenommen. Valencianisch wird vor allem in den Küstengebieten und in der Ebene verwendet; im Landesinneren und im äußersten Süden dagegen herrscht eher das kastilische Spanisch vor. Viele Ortsnamen sind zweisprachig.
Alexandra Uso Cariñena, die Präsidentin von „Escola Valenciana“, schilderte die Ziele der 1990 gegründeten Institution. Sie besteht aus 26 Organisationen, welche die Förderung des Valencianischen und die sprachliche Normalisierung in allen Bereichen zum Ziel haben.
Valencianisch wurde im Autonomiestatut von 1982 als Amtssprache anerkannt. Seit Anfang der 1990-er Jahre wurden Gesetze zur Förderung der Sprache erlassen; seither gab es zweisprachigen Unterricht mit unterschiedlichen Stufen von voller Immersion im Valencianischen bis hin zum Unterricht überwiegend in Kastilisch mit nur wenig Valencianisch.
Die nach der Regionalwahl im Mai 2023 gebildete Regionalregierung aus einer Koalition der spanischen Volkspartei und der Partei VOX, die eine linke Koalition abgelöst hatte, strebt nun eine Kehrtwende an. VOX vertritt rechtspopulistische, europaskeptische und nationalkonservative Standpunkte; sie lehnt Sonderrechte für Autonome Gemeinschaften grundsätzlich ab und tritt gegen die Förderung anderer Sprachen als des kastilischen Spanischen ein. Einer der ersten Schritte der Koalition war im Juni 2023 die Abschaffung der Pflicht zum mehrsprachigen Unterricht in den Schulen durch ein Gesetz. Dagegen haben die Verfechter des Valencianischen Rekurs vor dem spanischen Verfassungsgericht eingereicht.
Adriana Gil Puig (Families pel Valenciá) erläuterte, dass ihre Organisation gerade wegen diesem neuen Gesetz gegründet worden sei. Sie befürchtet eine drastische Reduzierung des Valencianischen im Unterricht und betont, dass ihr Kampf starken Rückhalt in der Bevölkerung findet (siehe auch den Beitrag in diesem Blog). „Es handelt sich um ein unnötiges und aggressives Gesetz, wir müssen nun für etwas kämpfen, das wir schon hatten“, sagte Gil Puig bei der Sitzung der Intergruppe. Unter dem Vorwand der Wahlfreiheit werde Valencianisch eingeschränkt.
Anna Oliver i Borrás, die Präsidentin von „Acció cultural del país Valencià“, schilderte, dass ihre Organisation 1978, zwei Jahre nach dem Tod des Diktators Franco, gegründet wurde, um die valencianische Sprache und Kultur zu fördern und ihrem Verfall entgegenzuwirken.
Intergruppen-Vorsitzender Loránt Vincze, der auch Präsident der Föderalistischen Union der Europäischen Nationalitäten (FUEN) ist, sicherte den valencianischen Organisationen seine Unterstützung zu. Er hatte zu Beginn der Sitzung betont, dass politische Auseinandersetzungen aus der Intergruppe ferngehalten werden müssten, weil nur in Zusammenarbeit über Parteien hinweg die Arbeit für nationale Minderheiten Erfolg haben könne im Europaparlament.
Hintergrund ist das Ergebnis der EU-Wahl 2024, bei der rechtspopulistische bis rechtsradikale Parteien wie VOX, AfD, Rassemblement National und Fratelli d'Italia große Erfolge gefeiert hatten. Vielleicht wegen diesem Aufruf Vinczes wurde der politische Hintergrund der Entwicklungen in der Autonomen Gemeinschaft Valencia nur gestreift.

