Dienstag, 10. März 2026

Wolfgang Schüssel erhält Europäischen Verdienstorden

Der österreichische Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (80) ist unter den ersten Trägern des neuen Europäischen Verdienstordens. Auf der von EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Dienstag in Straßburg bekannt gegebenen Liste der ersten Träger der Auszeichnung finden sich auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, die ehemalige deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Lech Wałęsa, Gründer der Gewerkschaft Solidarnosc und späterer polnischer Staatspräsident.

EU-Orden für Wolfgang Schüssel. - Foto: © APA/HANS KLAUS TECHT / HANS KLAUS TECHT

Diese drei Persönlichkeiten erhalten bei der ersten Verleihungszeremonie, die im Mai in Straßburg stattfinden soll, den Orden in der höchsten von drei Stufen. Schüssel wird, so wie u. a. Ex-NATO-Generalsekretär Javier Solana und Ex-EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, in der zweiten Kategorie („ehrenhaftes Mitglied des Ordens“) ausgezeichnet.

Deutlich bunter ist das Feld der in der dritten Kategorie Ausgezeichneten. Es reicht vom Gründer der NGO „World Central Kitchen“ José Andrés über den griechischen Basketballspieler Giannis Antetokounmpo bis zum irischen Musiker Paul David Hewson, besser bekannt als Bono, gewürdigt als Teil der gesamten Band U2. Weiters die Luxemburgerin Viviane Reding, die frühere Vizepräsidentin der EU-Kommission.

Mit dem am 75. Jahrestag der Schuman-Erklärung (9. Mai 1950) beschlossenen Europäischen Verdienstorden sollen die Leistungen von Personen gewürdigt werden, „die einen wichtigen Beitrag zur europäischen Integration oder zur Förderung und Verteidigung der in den Verträgen verankerten Werte geleistet haben“, heißt es. „Er soll künftigen Generationen als Inspiration für Zivilcourage und den Einsatz für die europäischen Ideale dienen.“ Über die eingereichten Vorschläge entscheidet eine Jury, die vom Präsidium des Europäischen Parlaments für jeweils vier Jahre ernannt wird. Pro Jahr können höchstens 20 Personen ernannt werden.

Der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) gratulierte Schüssel. Dieser habe sich „sowohl als Außenminister als auch als Bundeskanzler aus tiefster Überzeugung für ein starkes, geeintes Europa eingesetzt“. Für Österreich habe er sowohl beim EU-Beitritt als auch bei den Ratspräsidentschaften 1998 und 2006 zentrale Funktionen ausgeübt. „Unter seiner Führung hat Österreich besonders bei der EU-Osterweiterung Verantwortung übernommen und damit ganz maßgeblich dazu beigetragen, Europa zusammenzuführen und unseren neuen Partnern Perspektiven zu eröffnen. Davon profitieren nicht zuletzt Österreich und die Menschen in unserem Land bis heute“, betonte Stocker in einer Aussendung.

Erst im vergangenen Juni durften wir Wolfgang Schüssel anlässlich seines Geburtstages zum Interview treffen. Im Gespräch erklärte er unter anderem, welche Südtiroler Persönlichkeit ihn zutiefst beeindruckt, was mit Russlands Präsident Putin passiert ist, wie Europa den Populisten den Zahn ziehen kann und ob wir auf dunkle Zeiten zusteuern. (Hier das Interview zum Nachlesen)

apa