Steigende Kosten, sinkende Investitionen
Die gedämpfte Stimmung ist nach Angaben des Wifo auf mehrere strukturelle Herausforderungen zurückzuführen: Die Stagnation bei Immobilieninvestitionen von Unternehmen infolge wirtschaftlicher Unsicherheit sowie die Reduzierung staatlicher Steuerförderungen für Privatpersonen dämpfen die Erwartungen. Insbesondere im Hochbau und im Bereich der Gebäudefertigstellung rechnen Betriebe mit steigenden Kosten. Etwa 15 Prozent der Unternehmen berichten von einer schlechten Ertragslage.Im Tiefbau sieht die Lage etwas besser aus: Dort profitieren die Unternehmen von öffentlichen Projekten, vor allem im Rahmen des italienischen Aufbauplans PNRR. „Die Auslastung liegt im Tief- und Hochbau weiterhin deutlich über 90 Prozent, im Baunebengewerbe bei rund 85 Prozent“, heißt es in der Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers.
Auch die Beschäftigung entwickelt sich noch positiv: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren im Baugewerbe durchschnittlich 18.300 Personen beschäftigt – ein Anstieg um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Dennoch macht sich in der Branche spürbare Unsicherheit breit. Christian Egartner, Präsident des Baukollegiums, sieht die aktuelle Auslastung vor allem durch externe Faktoren gestützt: „Dank öffentlicher Investitionen und einem laufenden Tourismus ist die Auslastung unserer Unternehmen noch gut. Maßgeblich verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die PNRR-Gelder. Doch was passiert danach mit den öffentlichen Investitionen sowie in naher Zukunft im privaten Bereich? Derzeit herrscht hier weiterhin Stillstand. Die Unsicherheit in unserer Branche wird uns leider in den kommenden Monaten begleiten.“
Martin Gebhard, Obmann der Baumeister und Maurer im lvh, sieht insbesondere im geförderten Wohnbau dringenden Handlungsbedarf: „Aktuell ist die Ertragslage zufriedenstellend, doch im geförderten Wohnbau herrscht Stillstand. Hier gibt es zwei Herausforderungen: Auf der einen Seite braucht es höhere Wohnbauförderungen und leistbare Baugründe, auf der anderen Seite müssen Familien künftig kleinere Wohnungen planen und beim Standard sparen. Neubauten realisieren derzeit fast nur Bauträger, während Sanierungen weiterhin stark gefragt sind.“

