Hans Paul Griesser: Bereits vor über zehn Jahren wurde auf gesamtstaatlicher Ebene über die Energieeffizienz diskutiert. Im Jahr 2017 wurde dann verpflichtend, dass in Mehrfamilienhäusern und Mehrzweckgebäuden mit gemeinsamer Heizung, Kühlung oder Fernwärme individuelle Unterzähler eingebaut werden. So erfolgte die jährliche Kostenabrechnung nicht mehr nach fixen Parametern, sondern nach dem jeweiligen Verbrauch pro Nutzeinheit. Ab 2020 wurde dann vorgeschrieben, dass neu eingebaute Zähler und Verteiler fernablesbar sein müssen. Ein Jahr später folgte schließlich die Vorgabe, dass alle Geräte, die bereits dezentral ablesbar sind, den Nutzenden allmonatlich die genauen Informationen über ihren Verbrauch zukommen lassen müssen.
Und was sieht das jetzt das nächste Gesetz vor und wann tritt es in Kraft?
Griesser: Das Gesetz sieht vor, dass ab Jänner 2027 alle verwendeten Heizkostenverteiler und Verbrauchszähler für Wärme, Kälte oder Warmwasser jeder einzelnen Baueinheit zwingend fernablesbar sein müssen. Aktuell ist es gesetzlich noch in Ordnung, wenn Geräte ohne Fernablesung installiert sind. Bis 2027 müssen diese aber ausgetauscht werden.
Was genau versteht man überhaupt unter fernablesbaren Geräten?
Griesser: Fernablesbar sind all jene Systeme, die für die Verbrauchsablesung kein Betreten der Wohneinheit erfordern. Dies wird über Funk ermöglicht, indem die Verbrauchsdaten an ein Empfangsgerät übermittelt werden. Während bei „Walk-by“-Systemen dafür eine Person mit einem Lesegerät in der Nähe sein muss, erlauben andere Technologien die automatisierte, dezentrale Verarbeitung der Daten durch ganz spezielle Softwares.
Führt die Fernablesung über Funk nicht auch zu einer stärkeren Belastung?
Griesser: Ja. Die Geräte auf dem Markt entsprechen aber den gesetzlich gültigen Normen. Ich glaube also nicht, dass die Nutzung fernablesbarer Systeme gesundheitliche Folgen nach sich zieht. Möchte man trotzdem die Funkbelastung senken, kann man sich für Messgeräte entscheiden, die dies ermöglichen. Die weiträumige LoRaWan-Funktechnologie versendet zum Beispiel nur kleine Telegramme, was mit weniger Funkbelastung einhergeht. Außerdem gibt es Geräte, die nur dann senden, wenn Bedarf besteht, wohingegen andere Systeme alle paar Minuten Daten senden.
Welche Arten der Funkübertragung können im Zusammenhang mit der Erfassung der Daten über den Verbrauch genutzt werden?
Griesser: Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Optionen. Die proprietären Systeme erlauben es nur den Geräteherstellern, ihr Gerät lesen zu können, allerdings generieren sie so mehr Daten. Die offenen Standardgeräte können hingegen von jedem gelesen werden, weshalb man nicht an den Hersteller gebunden ist. Zuletzt gibt es noch das LoRaWan, das im Grunde genommen auch zu den offenen Systemen gehört. Wie erwähnt, arbeitet dieses mit einer besonders niedrigen Funkleistung, was lange Batterielaufzeiten für die Zähler bedeutet, da die betroffenen Geräte extrem energiesparend arbeiten.
Worauf sollte bei der anstehenden Umstellung also geachtet werden?
Griesser: Es ist sehr wichtig, dass man sich früh genug informiert, welche Systeme es für fernablesbare Geräte gibt. Dadurch kann man sich bewusst für die Option entscheiden, die am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Außerdem ist es sehr wichtig, dass man sich für den Einbau an seriöse Firmen wendet. Werden Zähler falsch installiert, können sie fehlerhafte Daten erfassen, was zu einer um 20 bis 30 Prozent höheren Kostenverteilung führen kann. Leider ist es schwierig, solche Messfehler nach einer unprofessionellen Installation zu erkennen. Grundsätzlich kennzeichnet eine vertrauenswürdige Firma eine gute Beratung und eine Erreichbarkeit nach dem Verkauf.
Welche Vorteile bringt die Neuerung generell mit sich?
Griesser: Der größte Vorteil ist sicherlich die Möglichkeit der Kostenersparnis. Nach einer Eurac-Studie sparen Wohneinheiten bereits durch die Heizkostenverteilung durchschnittlich 20 Prozent. Mit der nun verpflichtend werdenden Fernablesung mit monatlicher Verbrauchsinformation wird eine zusätzliche Ersparnis von sieben bis zwölf Prozent erwartet. Begründet wird dies durch die menschliche Psychologie: Wenn Nutzerinnen und Nutzer sehen, wie viel sie tatsächlich verbrauchen, gehen sie bewusster mit den Ressourcen um, um ihre Kosten gering zu halten. Dies kann auch individuelle Maßnahmen anregen, damit der Eigenverbrauch langfristig weiter sinkt – der Austausch von schlecht dichtenden Fenstern zum Beispiel. Auf diese Weise kann also viel Energie gespart werden.
Was genau passiert mit den gemessenen Daten und wer hat darauf Zugriff?
Griesser: Nur die eventuell beauftragen Unternehmen sammeln und verarbeiten die Daten. Diese werden im Anschluss nur für die Erstellung der jährlichen Kostenabrechnung und die monatliche Informationsaussendung über den Energieverbrauch verwendet. An Dritte werden also keine Messwerte weitergegeben, weshalb die Firmen keinen Gewinn machen. Es ist zwar möglich, ohne eine professionelle Zentrale die Funkdaten auszuwerten, allerdings ist dies sehr umständlich, allein zu handhaben.
Werden zu hohe Verbrauchswerte bestraft?
Griesser: Nein. Bestraft wird nur, wenn die Daten nicht gesendet werden. Jeder kann somit selbst entscheiden, ob man auf einen sehr hohen Verbrauch reagieren möchte.

