Donnerstag, 19. Juni 2025

Mit Drohnen zu besseren Ernten: Was ein Bozner Start-up vorhat

Jahr für Jahr entgehen Apfelbauern in Südtirol Erträge – nicht wegen schlechter Früchte, sondern wegen fehlender Daten. Zwei junge Unternehmer wollen das ändern und bringen Hightech direkt in die Obstgärten. Wie sie den Bauern helfen wollen, erzählen sie im Format Start-up-Stage.

Hinter Arbor Insight stecken Edwin Pircher und Michael Chang. Sie sind seit Mai Teil des Start-up-Inkubator Programms des NOI Techpark Bozen.

In der Rubrik „Start-up-Stage“ stellen Gründer ihre innovativen Ideen vor.

1. Was ist unser innovatives Produkt und welches Kundenproblem löst es?

Arbor Insight will Landwirten helfen, ihre Obstwiesen effizienter zu bewirtschaften und die Erträge zu steigern – mithilfe von Drohnen. „Viele Entscheidungen werden noch immer auf Basis von Erfahrung oder nach Bauchgefühl getroffen. Dabei wären die benötigten Informationen grundsätzlich verfügbar – ihre Erhebung ist jedoch schwierig“, erklärt Edwin Pircher, der gemeinsam mit Michael Chang das Start-up gegründet hat. Satellitenbilder liefern oft nicht genügend Details, und die manuelle Kontrolle großer Obstflächen ist sehr zeitaufwändig. Deshalb setzen sie auf Drohnen: „Diese können große Flächen in kürzester Zeit mit zentimetergenauer Präzision erfassen: Dadurch erhalten wir Einblicke, die dem menschlichen Auge verschlossen bleiben, etwa zum Blütenstand, Vegetationsstatus oder Wachstumsstadium der Bäume“, so Pircher.

Durch die Kombination mit historischen Daten lassen sich sogar Vorhersagen treffen. „Wir übernehmen die Datenerhebung und Auswertung und stellen dem Landwirt die aufbereiteten Ergebnisse direkt zur Verfügung.“

Mit Drohnen Daten erfassen: So wollen Edwin Pircher und Michael Chang den Obstbauern helfen. - Foto: © arbor insight



2. Wie sind wir auf diese Geschäftsidee gekommen?
„In vielen Bereichen ist der Mensch Maschinen noch überlegen. Doch wenn es um das Erfassen und Verarbeiten großer Mengen an Informationen geht, hat die Maschinensicht klare Vorteile“, sagt Pircher.

Maschinen können Daten erfassen, die dem menschlichen Auge entgehen. „Unsere Erfahrung in der landwirtschaftlichen Robotik hat uns auch gezeigt, dass bodengebundene Roboter oft an ihre Grenzen stoßen – insbesondere auf matschigem, unebenem Gelände. Daher haben wir früh begonnen, uns mit Drohnentechnologie zu beschäftigen.“ Zudem seien Drohnen kostengünstiger, flexibler einsetzbar und immer verfügbarer.


3. Was waren unsere größten Herausforderungen und was haben wir daraus gelernt?
„Unser Projekt vereint Fachbereiche wie Robotik, Landwirtschaft, Automatisierung, Statistik, Informationstechnologie, Datenauswertung, Produktentwicklung und Unternehmensführung. Diese Vielfalt hat uns vor allem eines gelehrt: Als Team klare Strukturen und Zuständigkeiten zu schaffen. Wir haben gelernt, Herausforderungen nicht isoliert zu betrachten, sondern ganzheitlich anzugehen und dabei die Stärken jedes Einzelnen gezielt einzusetzen“, so Pircher.

4. Was ist der derzeitige Status quo?
„In diesem Jahr haben wir den Wachstumsverlauf von über 300 Hektar landwirtschaftlicher Anlagen kartografiert und dabei einen Datensatz von mehr als zwei Terabyte generiert. Die von uns erstellten Karten besitzen eine über 30-fach höhere Auflösung als vergleichbare Satellitenbilder und liefern damit wesentlich detailliertere Informationen.“

5. Wo sehen wir uns in drei Jahren?
„Unser Ziel ist es, ganzheitliche, saisonübergreifende Datensätze bereitzustellen – für alle Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.“ Derzeit liegt der Fokus auf der Apfelproduktion. Doch wenn es nach den beiden Gründern geht, soll die Technologie auch auf andere mehrjährige Obstkulturen übertragen werden. „In drei Jahren sehen wir uns als zentrale Plattform für datengestützte Entscheidungen in der Obstanbaupraxis – mit starkem Wachstumspotenzial über Südtirol hinaus.“

ber

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