Mittwoch, 21. Januar 2026

Skifahren für alle: Dieser Südtiroler will Pisten endlich barrierefrei machen

Von der Skipiste in die Seilbahn-Gondel und wieder zurück: Was für viele Skifahrer selbstverständlich ist, stellt für Monoskifahrer eine Herausforderung dar. Ein Südtiroler Start-up will diese Barriere mit seiner Erfindung endlich überwinden.

Erfinder des Monorolly: Hans-Peter Schraffl. Das Projekt wird vom NOI Techpark Bozen und dem Land Südtirol unterstützt. - Foto: © Marco Parsi

In der Rubrik „Start-up-Stage“ stellen Gründer ihre innovativen Ideen vor.

1. Was ist unser innovatives Produkt und welches Kundenproblem löst es?


„Der Monorolly ist ein speziell entwickeltes Mobilitätssystem für Monoskifahrer, das den bislang schwierigen Übergang zwischen Skipiste und Gondel einfach, sicher und effizient macht“, erklärt Hans-Peter Schraffl, der das Start-up 2023 gegründet hat. Der Monorolly ist an den Liftanlagen stationiert, sofort einsatzbereit, einfach handhabbar und erfordert keine baulichen Anpassungen an der Liftanlage.

Um Monoskifahrer noch unabhängiger zu machen, wurde vor Kurzem der Monorolly2Go für Endkonsumenten entwickelt. „Diese Variante wiegt nur fünf Kilogramm, ist klappbar und tragbar und kann vom Endnutzer selbst mitgeführt werden. Dadurch wird der Monoskifahrer erstmals unabhängig von stationären Hilfsmitteln im Skigebiet und kann den Monorolly flexibel an unterschiedlichen Liften einsetzen“, erklärt Schraffl.

Seit Dezember gibt es auch den Monorolly2Go, der leichter und klappbar ist. - Foto: © Marco Parsi



2. Wie sind wir auf diese Geschäftsidee gekommen?

„Ich bin direkt an den Skipisten des Kronplatzes aufgewachsen und war schon immer begeisterter Skifahrer“, erzählt Schraffl. Daran habe sich auch nach seinem schweren Unfall im Jahr 2017 nichts geändert – seitdem der Olanger im Rollstuhl sitzt.

Doch seither ist ihm eine zentrale Barriere erstmals bewusst geworden: „Der fehlende, selbstständige Übergang zwischen Piste und Lift. Was früher selbstverständlich war, wurde plötzlich kompliziert – abhängig von Hilfe, Wartezeiten und Sonderlösungen.“ Deshalb begann Schraffl, zu tüfteln und nach einer einfachen, praktikablen Lösung zu suchen.

Die Idee zum Monorolly2GO entstand schließlich aus dem Wunsch nach maximaler Freiheit: „Ich wollte unbedingt die Sellaronda gemeinsam mit meinen Freunden fahren – unabhängig, flexibel und ohne auf stationäre Hilfsmittel angewiesen zu sein.“ Daraus habe sich die Idee eines noch leichteren, tragbaren Monorollys entwickelt, den man selbst mitnehmen kann.



3. Was waren unsere größten Herausforderungen und was haben wir daraus gelernt?

„Unsere größte Herausforderung war die technische Universalität“, erklärt Schraffl. Ein Monorolly musste entwickelt werden, der mit möglichst allen Monoski-Systemen kompatibel ist. Jedes Monoski-Modell habe eigene Besonderheiten bei Bindung, Geometrie und Aufbau – „Eine weitere große Herausforderung war das richtige Gleichgewicht zwischen Gewicht, Material und Preis. Natürlich gibt es ultraleichte Hightech-Materialien aus der Raumfahrt – doch ein Produkt ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn es auch leistbar bleibt. Wir haben gelernt, dass echte Innovation nicht im maximal Machbaren liegt, sondern im besten Kompromiss aus Funktion, Gewicht, Robustheit und Kosten“, so Schraffl.

Nicht zuletzt war auch die Bürokratie eine Hürde. Themen wie Haftung, Versicherungen, rechtliche Absicherung und Verantwortlichkeiten erforderten viel Zeit und Genauigkeit.

4. Was ist der derzeitige Status quo?

„Mittlerweile haben wir den Großteil der Skigebiete im Dolomiti-Superski-Gebiet mit Monorolly-Systemen ausgestattet und betreuen zudem Kunden in Österreich, der Schweiz und Frankreich“, so der Gründer.

Der Monorolly2GO ist seit Anfang Dezember am Markt und wurde bereits international ausgeliefert – unter anderem nach Kanada, England, Belgien sowie nach Italien, der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ein wesentlicher Wachstumstreiber war dabei der direkte Kontakt zur Community: „Vor allem soziale Medien haben uns geholfen, schnell internationale Sichtbarkeit zu erlangen und Monoskifahrer weltweit zu erreichen – ohne klassische Vertriebsstrukturen.“

5. Wo sehen wir uns in drei Jahren?

„Unser Ziel ist es, in Südtirol alle Seilbahnen, bei denen es architektonisch möglich ist, auch im Winter für Monoskifahrer nutzbar zu machen. Dazu stehen wir bereits im aktiven Austausch mit der Landesregierung sowie mit Betreibern und Partnern. Darüber hinaus möchten wir uns als erste Anlaufstelle im Alpenraum etablieren, wenn es um das Thema Barrierefreiheit in Skigebieten geht – nicht nur mit Produkten, sondern auch mit Know-how, Erfahrung und praxisnahen Lösungen.“

www.monorolly.com


Haben auch Sie ein Start-up mit einer innovativen Idee? Dann melden Sie sich per Mail an josef.bertignoll@athesia.it

ber

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