Welche Ängste prägen derzeit den Arbeitsalltag der Südtirolerinnen und Südtiroler? Und welche Themen stehen gesellschaftlich im Vordergrund?
Mit diesen Fragen hatte das AFI | Arbeitsförderungsinstitut Südtirols lohnabhängig Beschäftigte bereits im Sommer 2023 – im Vorfeld der letzten Landtagswahlen – konfrontiert. Nun, zur Halbzeit der laufenden Legislaturperiode, wurde die Erhebung wiederholt. Dabei zeigt sich: Während sich die Sorgen der Beschäftigten nur geringfügig verschoben haben, haben sich die Prioritäten bei den gesellschaftlichen Themen deutlich verändert.
Die größten Sorgen der Beschäftigten
Auch im Jahr 2026 konzentrieren sich die Hauptängste der Südtiroler Arbeitnehmenden auf zwei zentrale Aspekte: die berufliche Zukunft der eigenen Kinder beziehungsweise der Jugend insgesamt sowie die Altersrente. „Beide Themen standen bereits im Sommer 2023 an der Spitze, allerdings in umgekehrter Reihenfolge“, erläutert Perini.Mit einigem Abstand folgt eine Gruppe weiterer Belastungsfaktoren: die Sorge, nicht ausreichend Geld zum Leben zu haben oder im Ernstfall keine genügende öffentliche Unterstützung zu erhalten. Ebenso beschäftigt viele der Wertverlust ihrer Ersparnisse sowie die Befürchtung, im höheren Alter den Anforderungen des Berufslebens nicht mehr gewachsen zu sein.
„Diese Entwicklungen sind keineswegs zu unterschätzen“, betont Perini. „Das steigende Durchschnittsalter der Erwerbstätigen bedeutet, dass wir künftig mit älteren Belegschaften konfrontiert sein werden. Umso wichtiger ist es, die Qualität der Arbeitsbedingungen zu verbessern – etwa durch die Reduktion von Stressfaktoren – und gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit durch lebenslanges Lernen zu sichern.“
Am unteren Ende des Sorgenrankings finden sich – wie schon 2023 – die Angst vor Arbeitslosigkeit sowie die Befürchtung, Opfer eines Arbeitsunfalls zu werden.
Neue Prioritäten bei gesellschaftlichen Themen
Während sich die persönlichen Sorgen kaum verändert haben, zeigt sich bei den gesellschaftlichen Themen ein deutlich anderes Bild als noch Mitte 2023.An erster Stelle stehen nun Inflation und Lebenshaltungskosten, mit einer durchschnittlichen Bewertung von 7,09 auf einer Skala von 0 („unbedeutend“) bis 10 („extrem bedeutend“). Diese hohe Gewichtung wird unter anderem mit dem aktuellen Konflikt im Iran und den damit verbundenen Inflationsrisiken in Verbindung gebracht. Im Sommer 2023 lag dieses Thema noch auf Rang drei.
Dahinter folgt mit einigem Abstand eine Gruppe von fünf Themen. Der Bereich Gesundheit, Sanität und Hausärztemangel bleibt weiterhin von großer Bedeutung, hat jedoch seine Spitzenposition verloren. Klima und Umwelt rutschen von Platz zwei auf Platz drei ab.
Deutlich an Bedeutung gewonnen haben hingegen Steuern und Bürokratie (plus drei Plätze), Wohnen (plus vier Plätze) sowie Kriminalität und Gewalt in den Städten, das sogar um sieben Plätze nach oben rückt.
Auch die übrigen Themen erreichen weiterhin hohe Bewertungen, liegen jedoch klar hinter den genannten Schwerpunkten. Als klare Verlierer in der Prioritätenliste erweisen sich diesmal die Bereiche Arbeitsmarkt beziehungsweise Fachkräftemangel sowie Bildung und Ausbildung.

