Samstag, 18. Oktober 2025

WaltherPark: Ein Gewinn mit Fragezeichen

Von Beginn an stand das Projekt unter Beschuss und das auch noch nach seiner Eröffnung. Fakt ist jedoch: Der WaltherPark ist ein Gewinn für Bozen, wenn auch einer mit Fragezeichen. Ein Kommentar von „Dolomiten“-Redakteur Josef Bertignoll.

Josef Bertignoll: „Der Park wird zweifellos mehr Menschen in die Bozner Innenstadt locken “


Es war eine lange und schwierige Geburt, doch nun ist er da: der WaltherPark. Nach Jahren der Planung, einer hitzigen Volksbefragung, Pandemie, Signa-Pleite und Besitzerwechsel hat Bozen sein neues Stadtquartier bekommen. Von Beginn an stand das Projekt unter Beschuss und das auch noch nach seiner Eröffnung. Fakt ist jedoch: Der WaltherPark ist ein Gewinn für Bozen, wenn auch einer mit Fragezeichen.

Und dieser Gewinn ist bereits mit bloßem Auge sichtbar: Der heruntergekommene Busbahnhof ist Geschichte und hat einen neuen Platz neben dem Bahnhof bekommen. Der „Bahnhofspark“, der seinem Namen lange nicht gerecht wurde und zuletzt eher als Problemzone Schlagzeilen machte, erstrahlt in neuem Glanz. Selbst die nun verkehrsberuhigte Allee wirkt jetzt wie ein Ort, an dem man sich tatsächlich aufhalten und nicht möglichst schnell vorbeigehen möchte.

Hängt sein Erfolg zu sehr von einzelnen Marken ab, steht das gesamte Projekt auf wackeligen Beinen
Josef Bertignoll


Doch nicht nur städtebaulich, auch wirtschaftlich ist der WaltherPark ein Gewinn. Er wird zweifellos mehr Menschen in die Bozner Innenstadt locken – und die werden, entgegen manchen Untergangsprophezeiungen, nicht nur im neuen Konsumtempel ihr Geld lassen. Der WaltherPark ist vielmehr ein Türöffner: Wer dort bummelt, landet früher oder später auch in den Bars, Restaurants und Boutiquen der Altstadt. Deren lokale Handschrift hebt sich deutlich vom Angebot des Einkaufszentrums ab und spricht ein anderes Publikum an. Das Einkaufszentrum muss somit weniger als lästige Konkurrenz, sondern vielmehr als Ergänzung gesehen werden – und zwar eine, die Bozen auch für jüngere Menschen attraktiver macht und Orte der Begegnung schafft.

Dennoch bleiben einige Fragezeichen. Auch der WaltherPark muss sich der wachsenden Konkurrenz durch Onlinehandel und große Handelsketten stellen. Hängt sein Erfolg zu sehr von einzelnen Marken ab, steht das gesamte Projekt auf wackeligen Beinen. Ein warnendes Beispiel liefert, wie es der Zufall will, Benko selbst: Das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck kämpft seit Jahren mit Leerständen und sinkenden Mieteinnahmen. Bleibt zu hoffen, dass der WaltherPark nicht nur anfänglich glänzt, sondern auch langfristig lebendig bleibt.
josef.bertignoll@athesia.it

ber

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