Die Abhängigkeit von Peking sei für Moskau jedoch nicht freiwillig, sondern eine Folge der geopolitischen Isolation. „Die Sanktionen haben der russischen Führung letztlich keine andere Wahl gelassen“, so Astrov. Problematisch sei, dass China westliche Investitionsgüter wie Spezialmaschinen, Halbleiter oder Ersatzteile für Flugzeugtriebwerke nicht ersetzen könne.
Zudem seien die chinesischen Direktinvestitionen in Russland äußerst gering. China exportiere vor allem Konsumgüter wie Autos und Elektronik, investiere aber kaum in Fabriken. Dadurch produziere Russland in vielen Branchen mit veralteter Technologie, was seine Wachstumsaussichten beschränke.
Die Beziehung sei auch wirtschaftlich unausgeglichen: Während China heute unangefochten Russlands größter Handelspartner ist, hatte Russland 2024 nur einen Anteil von rund 4 Prozent am chinesischen Außenhandel. Damit lag es auf Platz acht - hinter der EU, den USA, Südkorea, Hongkong, Japan, Taiwan und Vietnam. „Diese Ungleichgewichte verschaffen China erheblichen Einfluss - ein Druckmittel, das Peking eines Tages nutzen könnte“, warnte Astrov.
Kurzfristig sichere die Verschiebung den Fortbestand von Russlands Handel und Rüstungsindustrie trotz Sanktionen. Langfristig drohe Moskau jedoch in eine Abhängigkeit zu geraten, in der China den Ton angibt - eine „asymmetrische Beziehung“, so das Fazit der wiiw-Analyse.

